|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Im ersten Jahrhundert nach Christus war die Gemeinde eng verbunden mit ihren jüdischen Wurzeln. Schließlich war Jesus ein Jude und die Basis Seines Lehrens stimmte mit den hebräischen Schriften überein. Es ist ebenso bekannt, dass die Autoren des Neuen Testamentes, mit Ausnahme von Lukas, Juden waren. Die Apostel und ersten Jünger waren Juden. Sie beteten am Shabat, feierten die Feste und gingen in die Synagoge. Sogar die Mitglieder der frühen Gemeinde in Jerusalem und Umgebung - Judäa, Samaria und Galiläa - waren überwiegend jüdisch. Wir wissen zum Beispiel, dass unter den Namen der Leiterschaft der Jerusalemer Gemeinde bis 135 n. Chr. kein nicht-jüdischer Name erscheint. Allerdings muss auch festgestellt werden, dass das Judentum zur Zeit des zweiten Tempels, also zur Zeit Jesu, sich in sehr viele Gruppen gliederte, die alle in Polemik gegeneinander lebten. Es hat nie ein monolithisches Judentum gegeben. Zu jener Zeit schon ganz und gar nicht. Von Frustrationen zu Feindseligkeit
Unter römischen Gesetz wurde das Judentum anfänglich als eine religio licita, eine legale Religion, eingestuft, da es zum einen vor Rom zurückdatiert werden konnte und zum anderen sich im allgemeinen nicht dem römischen Staatskult widersetzte. Trennung von Juden- und Christentum Zum ersten gravierenden Einschnitt kam es, als 135 n. Chr. der römische Kaiser Hadrian, der den Bar-Kochba-Aufstand niederschlug, die Juden aus Jerusalem vertrieb und ihnen die Ausübung der jüdischen Religion verbot wie Beschneidung, Tora-Lesung und Sabbat-Heiligung. Durch den starken Zuwachs aus der griechischen und römischen Welt wurde die Bibel immer mehr durch ein griechisches Bewusstsein gesehen und immer weniger durch ein hebräisches. So wurde z.B. das Zölibat von einige wenige Berufene, in folge dessen auf einen ganzen Berufsstand ausgeweitet. Nachdem im Jahre 306 n. Chr. Konstantin I Herrscher im Nordwesten des römischen Reiches wurde, erlangen die Christen durch das Edikt von Mailand (313 n. Chr.) ihre endgültige Freiheit. Chrysostomus Homilien gegen Juden Vor- und Anwürfe gegen Juden kommen in einer besonderen Massierung in den "Acht Reden gegen Juden" von Johannes Chrysostomus vor, die dieser als Diakon und Presbyter von Antiochien in den Jahren 386/387 gehalten hatte. Johannes trieb die Angst um, Christen könnte sich aus Plausibilitäts- und Identitätsgründen von der Kirche abwenden um sich dann dem Judentum in Gänze zuzuwenden.
Dieses gesetzwidrige Handeln nahm, so Chrysostomus, seinen Anfang in der Kreuzigung Christi durch die Juden, wodurch sie das Joch Christi zerbrochen hätten. Zwar seien das Gesetz und die Prophetenbücher in der Synagoge deponiert. Doch, so predigte Chrysostomus, "ich jedenfalls hasse deswegen die Synagoge am meisten und wende mich von ihr ab, weil die Juden, obgleich im Besitz der Propheten, den Propheten nicht glauben, weil sie, obgleich die Schriften lesend, deren Zeugnisse nicht annehmen, was doch die Art von gewaltigen Frevlern ist." (...) "Darum dürften sie in um so höherem Maß gottlos und unrein sein, weil sie, obgleich im Besitz der Propheten, mit ihnen in feindseliger Absicht umgehen." "Wo Christusmörder zusammenkommen, wo das Kreuz weggeschafft, wo gegen Gott gelästert, wo der Vater nicht erkannt, wo am Sohn gefrevelt, wo die Gnade des Geistes außer Kraft gesetzt wird, wo vielmehr sie selbst Dämonen sind, (...) dort ist unverhüllt und weithin sichtbar die Gottlosigkeit." Der erste Kreuzzug Das Zeitalter der Kreuzzüge begann mit der am 27. November 1095 von Papst Urban II. auf dem Konzil von Clermont gehaltenen flammenden Rede. Jeden Mann, ob arm oder reich, niedrig oder hoch, Ritter oder Fürst, rief er auf, sich an einem Feldzug gegen die Seldschuken, zur Befreiung der heiligen Stadt Jerusalem, zu beteiligen. Weil im Frühsommer 1096, als sich der undisziplinierte Mob von Kreuzkriegern versammelte, keine Moslems in der Nähe waren, richteten die "Verfechter des Kreuzes" ihre Aufmerksamkeit auf die Juden, die in ihren Augen genau solche "Ungläubigen" und Feinde des Christentums waren, wie die Moslems. Ausgrenzung und Verfolgung im Mittelalter
Durch den Beschluss des Vierten Laterankonzils der römischen Kirche von 1215 wurden die Juden als Außenseitervolk abgestempelt, indem ihnen auferlegt wurde, sich durch eine besondere Art Kleidung von der übrigen Bevölkerung zu unterscheiden. Das Aussehen dieses Erkennungszeichens variiert in verschiedenen Ländern. In Deutschland und Frankreich mussten die Juden ein gelbes "O" tragen, in anderen Ländern war das tragen eines dreieckigen Hutes (oder Spitzhutes) vorgeschrieben. Auf diese Weise konnten Christen sicher sein, dass sie nicht versehentlich mit Juden in Kontakt kamen. Sogar in der mittelalterlichen Kunst wurden Juden in Gemälden und Holzschnitzereien mit einem Kreis auf ihrer Kleidung oder mit Spitzhüten dargestellt. Zu dieser stigmatisierenden Kennzeichnung kamen verschiedene Verleumdungen, die gegen Juden erfunden und in Umlauf gebracht wurden. Ihnen wurde Brunnenvergiftung, Hostienschändung, Ritualmord und die Schuld für die Pest 1348 zugeschoben. Dies gab Anlass für die Ausrottung zahlreicher jüdischer Gemeinden. Zwar verurteilten die Päpste im Mittelalter die Zwangstaufen, abergläubische Verleumdungen des Ritualmordes und der Hostienschändung. Die Kirchenleitung konnte aber nicht mehr stoppen, was sie durch ihre antijüdische Theologie selbst mitverursacht hatte! Die Inquisition
Die Könige sahen in diesen Bekehrten, den sog. "Conversos", die sich für keine richtigen Christen hielten, eine Bedrohung für den Staat. Durch ihren gesellschaftlichen Aufstieg erweckten sie vielfach Neid. Nachdem noch die Gerüchte verbreitet wurden, sie hingen insgeheim noch den jüdischen Bräuchen an und übten sie auch aus, kam es bald zu Volksaufständen gegen sie. Zur Untersuchung dieses Verdachts kamen die "Conversos" vor die Inquisisitonsgerichte. Von 1478 bis 1530 waren 91 Prozent der Angeklagten dieser "Gerichte" "Conversos". In der Hälfte aller Fälle (ca. 900 allein in Toledo) wurden sie zum Tode verurteilt. In Guadalupe waren sogar 82 Prozent der Beschuldigten zum Tode verurteilt worden. Bei der Bestrafung der zu Tode verurteilten Delinquenten durfte kein Blut fließen, deshalb war das Verbrennen die erste Wahl zur Exekution. Dies wurde durch den Text in Johannes 15:6 gerechtfertigt: "Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen." Schließlich wurden auch praktizierende Juden (nicht "Conversos") vor die Inquisitionsgerichte geführt, wurde ihnen doch zur Last gelegt, einen schlechten Einfluss auf die "Conversos" zu haben. Auch sie wurden verurteilt und verbrannt. Die Inquisition in Spanien dauerte von 1481 - 1820. Über 350 000 Juden erlitten Bestrafungen. Der Reformator Martin Luther
Er schrieb 1543 die schreckliche Schrift "Von den Juden und ihren Lügen", die auch direkte Anleitung zu Gewaltausschreitungen gegen Juden gab, nämlich Synagogen anzuzünden, jüdische Häuser zu zerstören, Juden ihre Bücher wegzunehmen, den Rabbinern unter Androhung der Todesstrafe das Lehren zu verbieten, Juden das Reisen zu untersagen, Juden den Geldhandel zu verbieten, sie zu enteignen (wenn sie nicht zum Christentum konvertieren würden), Juden zu körperlicher Arbeit zu zwingen, Juden des Landes zu verweisen . . . In seiner letzten Sonntagspredigt (14. Februar 1546), drei Tage vor seinem Tod, erteilte Luther im Anschluss an die Predigt eine "Vermahnung wider die Juden". Darin bezeichnete er die Juden als "der Christen öffentliche Feinde", die von den Regierenden aus ganz Deutschland vertrieben werden sollten. Luther zeigte deutlich auf, dass er die vermeintliche theologische Krise nicht aushalten konnte, dass Juden sein christlich-messianisches Denken nicht übernehmen wollten. Fünfhundert Jahre später fand Hitler viele seiner Ideen und Rechtfertigungen für seine Behandlung der Juden und für den Holocaust in diesen Schriften. Das Zeitalter der Aufklärung und Emanzipation Wenn wir nun weitergehen in die Ära der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts, finden wir Juden noch immer unter einem Vermächtnis von Vorurteilen leidend. Ein "neues" Gewand für den Judenhass In Zeiten einer sich mehr und mehr säkularisierenden Welt, einer Welt von Aufklärung, Emanzipation und Wissenschaftlichkeit, hatten es christlich geprägte antijüdische Legenden zunehmend schwer, sich Gehör zu verschaffen. Weder Ritualmorde noch Brunnenvergiftungen, die bislang von den Kanzeln der Kirchen den Juden anlastend gepredigt und somit für wahr gehalten wurden, ließen sich wissenschaftlich aufrecht erhalten. Es war also nach "Ersatz" für wegbrechende Elemente des Antijudaismus gefragt, möglichst solcher, der weltlichen Ansprüchen genügte, wenn nicht sogar auch "wissenschaftlich" begründet werden konnte.
Hinsichtlich des Begriffes "Antisemitismus" gilt es zu beachten, dass sich Antisemiten nicht darauf beriefen, gegen Angehörige der semitischen Sprachfamilie (Bewohner Nordostafrikas und Vorderasiens) oder der jüdischen Religion vorzugehen, sondern allein auf die Bekämpfung von Menschen mit angeblich jüdischen Rassen- und Charaktereigenschaften aus waren. Die Auffassung, das es sich bei der sogenannten Judenfrage um eine religiöse Frage handelte, wies der Antisemit Dr. Ernst Henrici in einem 1881 gehaltenen Vortrag mit folgenden Worten ab: "Läge hier der Kern der Judenfrage, dann käme es nur darauf an, die Juden zum Christenthum zu belehren. Das wird aber, soviel man auch dagegen einwerfen mag, nie möglich werden. Denn die Religion der Juden ist eine Raçen-Religion." [...] "Daher kann die Religion der Juden nie auf andere Völker übergehen." [...] "Aber der Jude kann auch nie wahrer Christ werden." Bis zum Ende des Dritten Reichs war Antijudaismus und Antisemitismus in allen Bereichen der Gesellschaft und vielen Ländern beheimatet und verankert. So konnten 16 Abgeordnete der "Deutschen Reform-Partei" (ein 1889 gegründeter Zusammenschluss verschiedener antisemitischer Vereinigungen) 1893 im Deutschen Reichstag problemlos Platz nehmen und kaum jemand störte sich an den antisemitischen Schriften eines Karl Marx. Sicher, es gab zum Ende des 19. Jahrhunderts auch Gegner des Antisemitismus. Aber die waren zumeist Angehörige der jüdischen Glaubenslehre. Die russischen Pogrome Zum Ende des 19. Jahrhunderts verschärfte sich unter der Herrschaft Alexander des III. die Lage der mehr als zwei Millionen jüdischen Einwohner des Zarenreichs, als Ostern 1881 das erste größere Pogrom in Russland ausbrach. Am Zarenhof selbst grassierte ein militanter Antisemitismus. Unter den letzten Zaren Nikolaus II. entfesselten die Schwarzhundertschaften, die "Tschoryie sotni" über 60 blutige Pogrome gegen wehrlose Juden. Diese Pogrome waren eine Serie von Attacken, begleitet von Zerstörung, Plünderung der Besitztümer, Ermordungen und Vergewaltigungen, ausgeführt von der christlichen Bevölkerung Russlands gegen die Juden.
Bereits um 1880 finden sich schon bei dem deutschen Antisemiten Wilhelm Marr und – wie erwähnt - dem französischen Antisemitenblatt "L'Antisemitique" Anklänge auf die Protokolle. Ohne auch nur einen stichhaltigen Beweis zu liefern, spricht Marr in Bezug auf die 1860 in Paris gegründete "Alliance Israélite Universelle" von einer "Freimaurerei", die nach der Weltherrschaft streben würde. Obwohl immer und immer wieder bewiesen wurde, dass die Urheberschaft dieser Broschüre erlogen war, diente sie als Grundlage der antisemitischen Protagonisten des 21. Jahrhunderts - von Henry Ford bis Adolf Hitler. Noch heute finden die Protokolle unter Holocaustleugnern, Islamisten und Verschwörungsanhängern ihre Abnehmer. Der Holocaust Deutschland war eine der aufgeklärtesten, intellektuellsten und kultiviertesten Gesellschaften zu jener Zeit. Und doch stand die sogenannte christliche Gesellschaft daneben und beobachtete die Ausrottung der Juden Europas. Manche nahmen sogar daran teil. Bereits bevor Hitler an die Macht kam konstituierte sich 1932 mit Hilfe der NSDAP, aus einer lokalen christlichen Gruppierung im Thüringischen, die "Glaubensbewegung Deutscher Christen". Diese streng nach dem Führerprinzip organisierte Bewegung bezeichnete sich als "SA Jesu Christi" und bekannte sich zu einem "positiven Christentum", wie es in Artikel 24 des Parteiprogramms der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei propagiert wurde. Nach ihrer Auffassung sollte Christentum und Nationalsozialismus eine Synthese eingehen. Das Schweigen auch großer Teile der Bekennenden Kirche zum NS-Völkermord war nach Ende des Zweiten Weltkriegs einer der Gründe für die Abfassung des "Stuttgarter Schuldbekenntnisses", in dem sich der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Mitverantwortung der Kirche an den Verbrechen des Nationalsozialismus bekannte. Ein Fazit Der Struktur des Antijudaismus ist es eigen, ängstlich und besorgt um seine Vorrechte zu sein. Da außer Zweifel steht, dass die Geschichte der Schriftauslegung seit den frühesten Tagen des Christentums fast ständig von antijüdischen Implikationen belastet war, ist die Frage nach dem Ursprung und Wesen des christlichen Antijudaismus zugleich ein Beitrag zur Klärung des eigenen Vorverständnisses und des Standpunktes des exegetisierenden Subjekts. Wer als Exeget jüdische Gesetze als Zustandsbeschreibung rezipiert, erliegt einem antijüdischen Stereotyp, macht er doch bei seiner Auslegung dieser Texte genau das, was für stereotype vorurteilsbehaftete Wahrnehmung von sozialer Wirklichkeit kennzeichnend ist. Er blendet den konkreten Entstehungskontext von Beurteilungen völlig aus und überträgt diesen pauschalisierend auf andere Personen ohne Beachtung der Folgen solcher Reden für die eigene Sprechsituation und die jetzt lebenden Betroffenen. Der gleiche Vorwurf ist auch denen zu machen, die undifferenziert von "dem Judentum" oder "den Juden" religionsgeschichtlich sprechen, wie es allenthalben bis heute auch in wissenschaftlichen Kommentaren geschieht. Eine entscheidende Frage, der man sich noch zu stellen hat, ist die nach den antijüdischen Elementen, die sich im Neuen Testament wieder finden lassen. Wenn auch heutzutage nach wie vor Christen antijüdische Klischees anhand der Bibel festzumachen versuchen, so ist doch die personelle Anzahl gegenüber denen, die ihre Judeophobie wahlweise im kruden Antisemitismus oder ganz modern unter dem Mäntelchen der Israelkritik versteckend zum Ausdruck bringen, marginal. Das mag zum einen daran liegen, dass sich die großen christlichen Kirchen in den letzten Jahrzehnten mit dieser geschichtsbeladenen Thematik beschäftigt haben. Nicht außer Acht gelassen werden darf aber auch, dass durch die zunehmenden Säkularisierung der Zivilgesellschaft, selbige nicht mehr empfänglich ist für den christlichen Antijudaismus. In der katholischen Kirche setzte das Zweite Vatikanische Konzil 1965 mit der Erklärung "Nostra aetate" einen Markstein gegen den christlichen Antijudaismus. Darin beklagt die Kirche "alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus". Dies griff Papst Johannes Paul II. auf: "Antisemitismus ist ohne jede Berechtigung und in jedem Fall zu verurteilen." Ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Umdenkens war der Synodalbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland 1980, in dem es heißt: "Wir bekennen betroffen die Mitverantwortung und Schuld der Christenheit in Deutschland am Holocaust."(72) antijüdische Vorurteile Christus-Mörder Das Etikett "Christus-Mörder", erstmals in den 160/170 n. Chr. entstandenen Paschapredigt des Melito von Sardes gegen die Juden erhoben, diente durch die Jahrhunderte hindurch dazu, Hass und Gräueltaten zu rechtfertigen. Dieser Vorwurf wurde mit Matthäus 27:25 gerechtfertigt. In diesem Abschnitt wird den Juden eine kollektive Verantwortung für die Kreuzigung Jesu zugeschrieben: "Und das ganze Volk antwortete und sprach: 'Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!'" Doch sie sprachen für sich selbst, nicht für ganz Israel oder das gesamte jüdische Volk. Hostienschändungen
Was ist die Funktion solcher Geschichten? Die Vorstellung, dass sich in der Heiligen Messe Brot und Wein wirklich und wahrhaftig in Fleisch und Blut verwandeln, wurde allen Christen im vierten Laterankonzil, im Jahr 1215 in feierlichsten kirchlichen Beschluss verordnet. Diese Transubstantiation war inhaltlich offenbar schwer nachzuvollziehen. Aber dieses Glaubensproblem durfte nicht offen eingestanden werden, es war verordnet und wurde Gesetz. Wie kann man eine von höchster Stelle aufgezwungene Glaubenskrise nun lösen? Ein Weg, den damals viele Christen wählten, war, die Glaubenskrise antijüdisch auszuleben und zu übertünchen: Juden werden beschuldigt, wenn die christliche Abendmahlslehre Probleme aufweist. Und die Geschichten von Hostienschändungen erfreuten sich unerhörter Beliebtheit - nicht deshalb, weil sich Juden so oder anders benommen hätten, sondern weil die christliche Transubstantiationslehre offenbar nicht so sehr einzuleuchten vermochte. Blutbeschuldigung (Ritualmord)
Die Blutbeschuldigung sagt aus, dass Juden Nicht-Juden töten, insbesondere Christen, damit sie Blut für ihr Passah und andere Rituale erhalten. Es wurde ebenso behauptet, dass Juden christliches Blut trinken müssen, um ihr menschliches Erscheinen aufrechtzuerhalten und dass christliches Blut auch dabei helfen würde, den unverwechselbaren foetor judaicus, den "jüdischen Geruch", der die Umkehrung des "Duftes der Heiligkeit", der den Christen zu eigen war, darstellte, zu eliminieren. Eine weitere Version dieser Anklage ist, dass Juden christliche Babys entführen würden, sie töten, ihre Körper zermahlen und ihn in ihrem Matzen (ungesäuertem Brot) für das Passahfest backen. Brunnenvergifter Juden wurden zum Sündenbock für die Krankheiten der Welt. Als die Menschen Europas den Schwarzen Tod (Beulenpest) starben, wurden die Juden angeklagt, die Brunnen vergiftet zu haben. Aus mangelndem Wissen in bezug auf Keime und Krankheiten und beobachtend, dass die meisten Menschen des jüdischen Glaubens, aufgrund ihrer Nahrungsvorschriften und Reinlichkeit, infektionsfrei blieben, war die Schlussfolgerung der nicht-jüdischen Bürger, dass die Juden die Quelle des Problems seien. Die medizinischen Erfolge jüdischer Ärzte wurden zwar nicht bestritten, aber auf Magie und Zauberei zurückgeführt. (Jud. VIII,5) Juden wurden als Sündenböcke ermordet. Die Krankheit blieb. geldgierige Wucherer
Sie nutzten die Dienste der Juden auch in einem anderen Unternehmen - Wucherei oder Geldverleih. Das Verleihen von Geld war notwendig für eine wachsende Ökonomie. Wucherei, das anzusammeln von Zinsen, war jedoch laut Hebräischer Bibel verboten und wurde als Gefährdung des ewigen Heils für die Christen eingeschätzt. So übertrug die Kirche die Praxis des Geldverleihs den Juden, denn in Übereinstimmung mit ihrer Argumentation waren die jüdischen Seelen ja bereits verloren. Viel später wurden Juden von westlichen Ländern als Handelsagenten in der Geschäftswelt benutzt und so sehen wir, wie es den Weg in das Bank- und Geschäftswesen fand. Nachdem aber beim Aufkommen der Städte und später - bestärkt durch reformatorische Theorien - Christen selber das Geldgeschäft in die Hand nehmen wollten, hat man den Juden wieder verboten, Geldgeschäfte zu tätigen. Beides, der Geldberuf für Juden und dann wieder das Berufsverbot für jüdische Bankiers sind Zwänge der christlichen Herrscher gewesen. Diese problematische Beziehung der Christen zum Geld hat auch dazu geführt, dass Juden härter besteuert wurden als andere Menschen, dass Juden regelmäßig enteignet wurden, insbesondere bei Vertreibungen. Diese christlichen Verbrechen brachten Schuldgefühle hervor, die wiederum den Opfern angelastet worden sind. Nachdem Christen Zwang ausgeübt hatten, Berufsverbote verhängt, unmenschliche Zölle erhoben, Juden enteignet oder ihnen Besitz verboten hatten, kehrten sie die Spieße um: In ihren Augen waren die Juden geizig, geldgierig, an illegalem Besitz interessiert, parasitär. Erotische Projektionen Juden wurden immer wieder auch sexuelle Verfehlungen und Verführungen vorgeworfen. Die Phantasien über den jüdischen Penis und die jüdische "hemmungslose" Sexualität kann man schon fast als pervers bezeichnen. Da es sich aber nicht um ein von außen erkennbares Merkmal handelte, wurde sie den Juden angedichtet. Die Sexualität der jüdischen Frau war vom Mythos gekennzeichnet, hemmungslos verführerisch, hinterlistig und verschlagen zu sein - ergo als gefährlich und sündig. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Weitere Artikel zum christlichen Antijudaismus |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Wo war Liebe & Gnade?
Christlicher Antijudaismus Die Kirche und das jüdische Volk in der Geschichte
Judenverfolgung in Wien
Gestaltwandel des Antisemitismus
2000 Jahre Christen gegen Juden
Die Schuld der Christenheit am Volk der Juden
Kreuzzug nach ...?
Johannes Chrysostomus
Nun aber steht diese Sache im Evangelium ...
Christen in III. Reich |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
© by Susanne Reisinger, [Berlin - 2004] / E-Mail
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||