| 1859 |
| 2. Juli | Otto Böckel wird als Sohn des Steinmetz Gustav Böckel und dessen Frau Anna (geb. Schaffner) in Frankfurt/Main geboren. |
| 1878-1882 |
| Studium der Rechtswissenschaften, der Nationalökonomie und der neueren Sprachen in Gießen, Heidelberg und Marburg. Während des Studiums beginnt Böckel mit volkskundlichen Studien und zeigt großes Interesse für die Volksliedforschung der Gebrüder Grimm. |
| Frühjahr | Böckel beendet 1882 seine Dissertation in Marburg über ein Thema der mittelalterlichen französischen Dichtung |
| 1883-1887 |
| Nach seiner Promotion wird er Hilfsbibliothekar (Assessors) an der Marburger Universitätsbibliothek. |
| 1885 |
| Er gibt die "Deutschen Volkslieder aus Oberhessen" heraus. |
| 1886 |
| Nach mehrjährigem Studium einschlägiger Literatur beteiligt er sich maßgeblich an der Gründung der "Deutschen Antisemitischen Vereinigung" in Kassel.Unter dem Decknamen Dr. Capristano veröffentlicht Böckel seine Werke wie: "Die europäische Judengefahr. Sonnenklar beleuchtet" und "Die Juden, die Könige unserer Zeit". |
| 26. August | Böckel wird Vorsitzender des von ihm gegründeten Deutschen Reformvereins in Marburg, welcher 1911 in eine Ortsgruppe des Reichsverbandes der Deutschsozialen Partei umgewandelt wurde. |
| 30. September | Zum ersten Mal spricht Böckel öffentlich im Café Quentin in Marburg. Als die Lokalpresse über Böckel eine Annoncensperre verhängt, gründet er einen Monat vor den Reichstagswahlen den "Reichsherold". In seinen Wahlprogrammen fordert Böckel die Aufhebung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden und die Schaffung von Fremdenrechten für diese. Er verspricht den Arbeitern bessere Löhne, den Handwerkern Hilfe beim Zusammenschluß gegen die Großkonkurrenz und den Bauern Unterstützung im Kampf gegen Wucher und Güterschlächterei. In Vorbereitung auf die Wahlen der Reichstagsabgeordneten führt er einen bis dahin unbekannten Stil des politischen Kampfes mit Versammlungen, Flugblättern und systematischer Mundpropaganda durch. |
| 1887 |
| 21. Februar | Im Alter von 27 Jahren zieht Dr. Otto Böckel im 1. Anlauf mit 7411 Stimmen als erster erklärt antisemitischer Abgeordneter in den Reichstag ein. Als "hessischer Bauernkönig" setzt er sich sehr für die Bauern ein und mit ihm beginnt der bäuerliche Antisemitismus.Böckel führt "judenfreie Viehmärkte" ein und organisiert die Handwerker und Arbeiter im "Mitteldeutschen Handwerkerverein".Auf den "judenfreien Viehmärkten", die Böckel ins Leben gerufen hat, wird fast kein Vieh umgesetzt, und auch die von ihm begründeten Zeitungen ("Reichsherold", "Volksrecht" und "Volkskämpfer") sind notleidend. |
| 1889 |
| Unter seinem Pseudonym Dr. Capistrano veröffentlicht Böckel das antisemitische Traktat "Quintessenz der Judenfrage". |
| 1890/1893 |
| Böckel gewinnt, entgegen den Erwartungen seiner Gegner auch die nächsten Reichstagswahlen mit wachsender Stimmenzahl: 1890 mit 8739 gegen 3361 Stimmen des konservativen Universitätskurators Steinmetz und 1893 mit 8778 gegen 3962 Stimmen des konservativen Landwirts Lucke. Doch bei Debatten im Reichstag fehlt ihm die eigentliche Sachkenntnis, und er versagt völlig. |
| 1894 |
| Aufgrund seiner Eigenwilligkeit und Geschäftsunfähigkeit muß Böckel vom Vorsitz des "Mitteldeutschen Bauernvereins" zurücktreten. |
| 1898 |
| Böckel gewinnt seinen letzten Wahlkampf für den Reichstag mit 5517 gegen 4940 Stimmen. Da Abgeordnetendiäten erst 1906 eingeführt werden, muß Böckel um seine wirtschaftliche Existenz ringen und verzichtet 1903 auf eine erneute Kandidatur. Als Angestellter arbeitet Böckel von 1897 bis 1899 im statistischen Büro des Bundes der Landwirte. |
| ab 1903 |
| Nach dem Ausscheiden aus dem Reichstag zieht er sich ins Privatleben zurück und widmet sich wieder volkskundlichen, romantischen Studien. |
| 1906 |
| Sein Hauptwerk "Psychologie der Volksdichtung" erscheint. In dieser Studie versucht er den romantischen, volkstümlichen Charakter der Dichtung darzulegen. |
| 1909 |
| Er veröffentlicht die Studie "Die deutsche Volkssage". |
| 1912 |
| Beim erneuten Versuch ein Mandat für den Reichstag zu bekommen, scheitert er mit 13.8% der Stimmen und erreicht damit noch nicht einmal die Stichwahl. |
| 1913 |
| Publikation von "Seelenland. Bilder aus deutscher Heldenzeit". |
| 1917 |
| Er bringt die Untersuchung "Das deutsche Volkslied" heraus. |
| 1923 |
| 17. September | Otto Böckel, gelähmt und seelisch gebrochen, stirbt in Michendorf bei Potsdam. |